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Sanierung und Technik · Solare Gewinne

Herbstsonne nutzen: solare Gewinne für niedrigere Heizkosten

Stand 2026-08-29 · 6 Min. Lesezeit · Einsteiger · Geprüft von Alexander Klein, Energieeffizienz-Experte (dena)

Stand: 1. September 2026 — meteorologischer Herbstanfang.

Ab jetzt steht die Sonne tiefer, und genau das ist der Punkt: Im Sommer trifft sie steil auf Dach und Fassade, im Herbst und Winter fällt sie flach durch die Fenster bis tief in den Raum. Dieselbe Fensterfläche, die im August ein Wärmeproblem war, wird im Oktober zum Heizkörper — vorausgesetzt, man lässt sie arbeiten.

Was die tief stehende Sonne im Haus tatsächlich macht

Solare Gewinne sind kein Nebeneffekt, sondern ein fester Rechenposten in jeder Energiebilanz nach DIN V 18599. Wie groß der Beitrag ausfällt, hängt an vier Dingen: der nach Süden ausgerichteten Fensterfläche, der Verglasung, der Verschattung und der Frage, ob die Wärme im Haus gespeichert werden kann.

Der letzte Punkt wird meist übersehen. Ein Estrichboden oder eine massive Innenwand nehmen die Mittagssonne auf und geben sie abends wieder ab. Ein Haus in Leichtbauweise mit Teppich heizt sich mittags schnell auf und ist um 18 Uhr wieder kalt. Dieselbe Sonne, ein völlig anderer Nutzen.

Was Sie ohne einen Cent Investition tun können

MaßnahmeWarum sie wirktAufwand
Rollläden und Vorhänge bei Dunkelheit schließenEin geschlossener Rollladen legt eine ruhende Luftschicht vor die Scheibe und senkt den nächtlichen Wärmeverlust spürbartäglich, kostenlos
Tagsüber alles öffnen, auch an trüben TagenAuch diffuses Licht bringt Wärme ins Haustäglich, kostenlos
Markisen einfahren, Sonnensegel abbauenSommerverschattung arbeitet ab September gegen Sieeinmalig, kostenlos
Hecken und Sträucher vor Südfenstern zurückschneidenJeder Meter Schatten auf der Südfassade kostet Heizwärmeeinmalig
Vorhänge und Möbel vom Heizkörper wegrückenVerdeckte Heizkörper geben ihre Wärme an die Scheibe statt an den Raum abeinmalig, kostenlos
Fenster außen putzenVerschmutztes Glas lässt messbar weniger Strahlung durcheinmal im Herbst

Das klingt banal. Es ist aber die einzige Gruppe von Maßnahmen, die sofort wirkt, nichts kostet und keinen Antrag braucht.

Der Denkfehler bei der Nachtabsenkung

Wer die Heizung tagsüber stur auf konstanter Temperatur fährt, verschenkt die Sonne zweimal: Die Heizung heizt gegen die Sonneneinstrahlung an, und der Raum überhitzt, bis jemand das Fenster aufreißt.

Moderne Thermostate erkennen den Temperaturanstieg und drosseln von selbst. Alte Handventile tun das nicht. Programmierbare Thermostatköpfe sind der billigste sinnvolle Eingriff überhaupt, und sie zählen zur Heizungsoptimierung — anders als die Sonne selbst ist das ein förderfähiger Vorgang.

Wenn Technik dazukommen soll

Photovoltaik mit Wärmepumpe

Die naheliegendste Kombination und zugleich die mit dem größten Missverständnis: Im Dezember liefert eine PV-Anlage einen Bruchteil ihres Sommerertrags, genau dann, wenn die Wärmepumpe am meisten zieht. Wer eine PV-Anlage kauft, um damit im Winter zu heizen, rechnet sich das schön.

Was funktioniert: die Übergangszeit. September bis November und Februar bis April liefert das Dach ordentlich, und die Wärmepumpe läuft im günstigen Teillastbereich. Genau in diesen Monaten holt die Kombination ihren Nutzen.

Wichtig für die Kalkulation: Die Photovoltaikanlage selbst wird nicht über die BEG gefördert. Sie rechnet sich über Eigenverbrauch und Einspeisung, nicht über einen Zuschuss.

Solarthermie

Der direkte Weg von der Sonne in den Heizungspuffer, ohne Umweg über Strom. Zur Warmwasserbereitung trägt sie über weite Teile des Jahres, zur Heizungsunterstützung vor allem in der Übergangszeit. Solarthermie zählt zu den förderfähigen Wärmeerzeugern der Heizungsförderung mit einer Grundförderung von 30 Prozent. Ob und in welcher Höhe die Boni dazukommen, hängt am Einzelfall — verbindlich ist immer der Bescheid der Förderstelle.

Batteriespeicher

Ein Speicher verschiebt Sonnenstrom vom Mittag in den Abend und hebt den Eigenverbrauch typischerweise von rund 30 Prozent auf 60 bis 80 Prozent. Das ist ein echter Hebel — allerdings einer, der sich über die Stromrechnung rechnet, nicht über die Heizkosten.

Die Reihenfolge, die sich rechnet

  1. Kostenlos: Verschattung weg, Rollläden nachts zu, Heizkörper frei.
  2. Klein: Thermostate erneuern, hydraulischen Abgleich machen lassen. Beides gehört zur Heizungsoptimierung und ist als Einzelmaßnahme mit 15 Prozent förderfähig.
  3. Groß: Fenster, Dämmung, Heiztechnik. Hier lohnt die Reihenfolge, die ein Sanierungsfahrplan vorgibt — falsch sortiert baut man sich Maßnahmen gegenseitig kaputt.

Ein Beispiel dafür, warum die Reihenfolge zählt: Wer zuerst die Heizung tauscht und danach dämmt, hat einen zu groß dimensionierten Wärmeerzeuger im Keller stehen, der dauerhaft ineffizient läuft.

Was der Herbst zeitlich bedeutet

Zwei Dinge sprechen dafür, jetzt zu entscheiden statt im Januar. Erstens sind die Auftragsbücher der Fachbetriebe im Herbst noch offener als im Frühjahr, wenn alle gleichzeitig loslegen wollen. Zweitens — und das ist der teurere Punkt — muss der Förderantrag vor Vorhabenbeginn gestellt sein. Wer im Januar die Heizung ausfallen lässt und dann schnell handelt, verliert regelmäßig den Zuschuss, weil der Auftrag vor dem Antrag lag.

Verträge mit Fachfirmen lassen sich mit aufschiebender oder auflösender Bedingung der Förderzusage abschließen – ein solcher Vertrag muss bei Antragstellung sogar vorliegen. Damit ist der Betrieb gebunden, der Antrag aber noch möglich.

Hinweis

Die genannten Fördersätze geben den Stand der Förderrichtlinien vom Juli 2026 wieder und stehen unter dem Vorbehalt verfügbarer Haushaltsmittel. Wie viel solare Gewinne in Ihrem Gebäude konkret ausmachen, hängt von Ausrichtung, Fensterfläche, Verglasung und Speichermasse ab und lässt sich nur am Objekt beziffern.

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