Fernwärme oder Wärmepumpe: Liegt Ihre Adresse im Wärmenetzgebiet?
Ob Fernwärme in Ihr Gebiet kommt, steht im kommunalen Wärmeplan Ihrer Gemeinde. Für kleine Gemeinden wie Pfarrkirchen (84347, Landkreis Rottal-Inn) gilt die gesetzliche Frist zur Fertigstellung des Wärmeplans bis zum 30. Juni 2028. Seit dem Inkrafttreten des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) am 29. Juli 2026 löst die Gebietsausweisung im Wärmeplan keine automatische Heizungspflicht mehr aus – die Investitionsentscheidung Fernwärme vs. Wärmepumpe bleibt dennoch davon abhängig.
Was ist ein kommunaler Wärmeplan – und warum betrifft er Sie?
Das Wärmeplanungsgesetz (WPG), in Kraft seit 1. Januar 2024, verpflichtet alle deutschen Gemeinden, einen Wärmeplan zu erstellen. Darin legt die Kommune fest, welche Gebiete künftig über ein Wärmenetz (Nah- oder Fernwärme), ein Wasserstoffnetz oder dezentral – also durch individuelle Heizungen wie Wärmepumpen – versorgt werden sollen. Die Wärmeplanung legt damit die strategische Weichenstellung für die Wärmeversorgung der nächsten Jahrzehnte fest.
Die gesetzlichen Fristen richten sich nach der Einwohnerzahl der Gemeinde (Stichtag: 1. Januar 2024):
| Gemeindegröße | Frist für den Wärmeplan |
|---|---|
| Mehr als 100.000 Einwohner | 30. Juni 2026 (abgelaufen) |
| Bis 100.000 Einwohner | 30. Juni 2028 |
Pfarrkirchen (PLZ 84347) ist Kreisstadt des Landkreises Rottal-Inn und zählt rund 13.600 Einwohnerinnen und Einwohner – damit gilt die spätere Frist. Die Stadt hat jedoch bereits aktiv Wärmeplanungsschritte eingeleitet: Ein Abschlussbericht zur kommunalen Wärmeplanung liegt vor, an dem die Stadtwerke Pfarrkirchen beteiligt waren und in dem Bürger-Workshops im November 2025 und Januar 2026 stattfanden.
Vier Gebietstypen: Was bedeutet jede Einstufung für Sie?
Jeder Wärmeplan teilt das gesamte Gemeindegebiet in voraussichtliche Wärmeversorgungsgebiete ein. Das WPG sieht vier Grundtypen vor:
- Wärmenetzgebiet (Nah- oder Fernwärme): Hier plant die Kommune den Anschluss an ein zentrales Wärmenetz – ggf. gestaffelt nach Zeitzielen (z. B. ab 2030, ab 2035 oder ab 2040).
- Wasserstoffnetzgebiet: Versorgung über ein künftiges Wasserstoffnetz vorgesehen – derzeit noch selten und in früher Planungsphase.
- Gebiet für dezentrale Wärmeversorgung: Kein Wärmenetz geplant. Eigentümer setzen auf individuelle Lösungen – typischerweise Wärmepumpe, Pelletheizung oder Solarthermie.
- Prüfgebiet / „weiße Flecken": Noch keine Entscheidung getroffen. Die Eignung wird noch untersucht.
Jedem Gebiet weist die Kommune zudem eine Eignungsstufe zu, die von „sehr wahrscheinlich geeignet" bis „sehr wahrscheinlich ungeeignet" reicht. Diese Einstufung ist zunächst planerisch – nicht automatisch verbindlich.
Wichtig für dünn besiedelte Gemeinden: Das WPG ermöglicht ein verkürztes Verfahren für Kommunen, deren Siedlungsstruktur eher für dezentrale Versorgung spricht. In diesen Fällen konzentriert sich die Planung von Anfang an auf dezentrale Gebiete, was das Verfahren vereinfacht.
Was hat sich durch das GModG (seit 29. Juli 2026) geändert?
Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) trat am 29. Juli 2026 in Kraft und hat die Verbindung zwischen Wärmeplan und Heizungspflicht vollständig gekappt:
- Früher (GEG 2024): Wies eine Kommune ein Wärmenetzausbaugebiet förmlich aus, griff automatisch die Pflicht, beim nächsten Heizungstausch zu mindestens 65 % erneuerbare Energien zu nutzen.
- Jetzt (GModG): Die Heizungswahl ist vollständig von der kommunalen Wärmeplanung entkoppelt. Gas- und Ölheizungen dürfen wieder eingebaut werden – zunächst ohne Einschränkungen, bis die sogenannte „Bio-Treppe" ab 2029 greift (steigende Pflichtanteile erneuerbarer Brennstoffe bis 2040).
Was bleibt unverändert: Der Wärmeplan selbst behält seine Rechtswirkung. Als Eigentümer sollten Sie die Gebietskulisse kennen, weil sie die wirtschaftliche Investitionsfrage prägt: Wer heute eine Wärmepumpe einbaut und später einen Fernwärmeanschluss erhält, muss ggf. doppelt investieren – oder umgekehrt auf Fernwärme warten und eine Übergangslösung finanzieren.
Schritt für Schritt: So finden Sie heraus, welches Gebiet für Ihre Adresse gilt
Schritt 1 – Energie-Atlas Bayern aufrufen Unter energieatlas.bayern.de zeigt eine interaktive Karte den aktuellen Stand der kommunalen Wärmeplanung aller bayerischen Gemeinden nach WPG. Dort ist auch die Wärmedichtekarte (vorhandene Wärmenetze) abrufbar.
Schritt 2 – Gemeindewebseite und Stadtwerke prüfen Ist der Wärmeplan beschlossen, muss er nach § 13 Abs. 5 WPG veröffentlicht werden. Suchen Sie auf der Webseite Ihrer Gemeinde oder der Stadtwerke nach dem Stichwort „Kommunaler Wärmeplan" oder „Wärmeversorgungsgebiete". Bei Pfarrkirchen sind die Stadtwerke direkt in den Planungsprozess eingebunden.
Schritt 3 – Direkt nachfragen Liegt noch kein veröffentlichter Plan vor, wenden Sie sich schriftlich an Ihre Gemeindeverwaltung oder das zuständige Stadtwerk. Fragen Sie konkret: „In welchem voraussichtlichen Wärmeversorgungsgebiet liegt meine Adresse laut aktuellem Planungsstand?"
Schritt 4 – Stand beim Bayerischen Landesamt für Maß und Gewicht (LMG) prüfen Fertige Wärmepläne werden dem LMG innerhalb von drei Monaten nach Beschluss gemeldet und sind dort registriert. Das LMG ist die bayerische Vollzugsbehörde für das WPG.
Wann kommt endgültige Klarheit?
Für Pfarrkirchen und vergleichbare Gemeinden im Landkreis Rottal-Inn gilt: Spätestens bis 30. Juni 2028 muss der Wärmeplan beschlossen und veröffentlicht sein. Da Pfarrkirchen bereits einen Abschlussbericht erarbeitet hat, könnte der Beschluss früher fallen – prüfen Sie den Stand auf der städtischen Webseite.
Unabhängig davon müssen Betreiber bestehender Wärmenetze, die noch nicht vollständig mit erneuerbarer Wärme oder unvermeidbarer Abwärme betrieben werden, nach § 32 WPG bis zum 31. Dezember 2026 Wärmenetzausbau- und -dekarbonisierungsfahrpläne vorlegen – in Bayern beim LMG. Erst diese Fahrpläne konkretisieren, wann ein Wärmenetz tatsächlich gebaut wird.
Was bedeutet das für Ihre Heizungsentscheidung heute?
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Heizung defekt, kein Wärmeplan vorhanden | Handeln Sie: Wärmepumpe ist förderfähig (BEG), Gas möglich. Lassen Sie sich beraten. |
| Adresse liegt im voraussichtlichen Wärmenetzgebiet, Ausbau ab 2030+ | Überbrückungslösung oder Wartestrategie prüfen – lassen Sie sich den verbindlichen Realisierungszeitplan schriftlich bestätigen. |
| Adresse liegt im dezentralen Gebiet | Wärmepumpe ist die wirtschaftlich sicherere Wahl; volle BEG-Förderung möglich. |
| Adresse im Prüfgebiet | Unbedingt vor Investition aktuellen Planungsstand erfragen. |
Hinweis: Der Klimageschwindigkeitsbonus der Heizungsförderung (BEG) ist seit 21. Juli 2026 auf 16 % abgesenkt und sinkt ab Februar 2027 halbjährlich weiter. Wer jetzt eine Wärmepumpe installiert, sollte die aktuellen Fördersätze bei der KfW (Heizungsförderung 458) prüfen.
Fachlich geprüft von Alexander Klein, dena Energie-Effizienz-Experte (Stand: Oktober 2026).
District Heating or Heat Pump: Is Your Address in a Heat Network Area?
Whether district heating is coming to your area is set out in your municipality's municipal heat plan. For small municipalities such as Pfarrkirchen (84347, Rottal-Inn district), the statutory deadline for completing the heat plan is June 30, 2028. Since the Building Modernisation Act (GModG) came into force on July 29, 2026, designating an area in the heat plan no longer automatically triggers a heating obligation – but the investment decision between district heating and a heat pump still depends on it.
What is a municipal heat plan – and why does it affect you?
The Heat Planning Act (Wärmeplanungsgesetz, WPG), in force since January 1, 2024, obliges all German municipalities to draw up a heat plan. In it, the municipality determines which areas are to be supplied in future via a heat network (local or district heating), a hydrogen network, or decentrally – that is, through individual heating systems such as heat pumps. The heat plan thus sets the strategic course for heat supply for the coming decades.
The statutory deadlines depend on the municipality's population (reference date: January 1, 2024):
| Municipality size | Deadline for the heat plan |
|---|---|
| More than 100,000 inhabitants | June 30, 2026 (expired) |
| Up to 100,000 inhabitants | June 30, 2028 |
Pfarrkirchen (postcode 84347) is the district seat of the Rottal-Inn district and has around 13,600 inhabitants – so the later deadline applies. However, the town has already actively initiated heat planning steps: a final report on municipal heat planning is available, in which the Stadtwerke Pfarrkirchen (municipal utility) were involved and for which citizen workshops took place in November 2025 and January 2026.
Four area types: What does each classification mean for you?
Every heat plan divides the entire municipal area into prospective heat supply areas. The WPG provides for four basic types:
- Heat network area (local or district heating): Here the municipality plans a connection to a central heat network – possibly staggered by time targets (e.g. from 2030, from 2035 or from 2040).
- Hydrogen network area: Supply via a future hydrogen network is envisaged – currently still rare and at an early planning stage.
- Area for decentralised heat supply: No heat network planned. Owners rely on individual solutions – typically a heat pump, pellet heating or solar thermal.
- Review area / "white spots": No decision has yet been made. Suitability is still being assessed.
The municipality also assigns each area a suitability level, ranging from "very likely suitable" to "very likely unsuitable". This classification is initially planning-related – not automatically binding.
Important for sparsely populated municipalities: The WPG allows a simplified procedure for municipalities whose settlement structure favours decentralised supply. In these cases, planning focuses on decentralised areas from the outset, which simplifies the procedure.
What has changed with the GModG (since July 29, 2026)?
The Building Modernisation Act (GModG) came into force on July 29, 2026 and has completely severed the link between the heat plan and the heating obligation:
- Previously (GEG 2024): If a municipality formally designated a heat network expansion area, the obligation automatically applied to use at least 65% renewable energy at the next heating system replacement. (GEG = Building Energy Act)
- Now (GModG): The choice of heating system is completely decoupled from municipal heat planning. Gas and oil heating systems may be installed again – initially without restrictions, until the so-called "Bio-Treppe" (bio staircase) takes effect from 2029 (rising mandatory shares of renewable fuels until 2040).
What remains unchanged: The heat plan itself retains its legal effect. As an owner, you should know which area your property falls in, because it shapes the economic investment question: if you install a heat pump today and later receive a district heating connection, you may have to invest twice – or, conversely, wait for district heating and finance an interim solution.
Step by step: How to find out which area applies to your address
Step 1 – Open the Energie-Atlas Bayern At energieatlas.bayern.de, an interactive map shows the current status of municipal heat planning under the WPG for all Bavarian municipalities. The heat density map (existing heat networks) is also available there.
Step 2 – Check the municipal website and the Stadtwerke Once the heat plan has been adopted, it must be published under § 13 para. 5 WPG. Search your municipality's or the Stadtwerke's website for the keywords "Kommunaler Wärmeplan" (municipal heat plan) or "Wärmeversorgungsgebiete" (heat supply areas). In Pfarrkirchen, the Stadtwerke are directly involved in the planning process.
Step 3 – Ask directly If no published plan exists yet, contact your municipal administration or the responsible Stadtwerk in writing. Ask specifically: "In which prospective heat supply area does my address lie according to the current planning status?"
Step 4 – Check the status with the Bavarian State Office for Weights and Measures (Bayerisches Landesamt für Maß und Gewicht, LMG) Completed heat plans are reported to the LMG within three months of adoption and are registered there. The LMG is the Bavarian enforcement authority for the WPG.
When will final clarity come?
For Pfarrkirchen and comparable municipalities in the Rottal-Inn district: by June 30, 2028 at the latest, the heat plan must be adopted and published. Since Pfarrkirchen has already prepared a final report, the adoption could come earlier – check the status on the town's website.
Independently of this, operators of existing heat networks that are not yet fully operated with renewable heat or unavoidable waste heat must submit heat network expansion and decarbonisation roadmaps by December 31, 2026 under § 32 WPG – in Bavaria, to the LMG. Only these roadmaps specify when a heat network will actually be built.
What does this mean for your heating decision today?
| Situation | Recommendation |
|---|---|
| Heating system defective, no heat plan available | Take action: a heat pump is eligible for funding (BEG), gas is possible. Get advice. |
| Address lies in the prospective heat network area, expansion from 2030+ | Consider a bridging solution or a wait-and-see strategy – have the binding implementation timetable confirmed in writing. |
| Address lies in a decentralised area | A heat pump is the economically safer choice; full BEG funding possible. |
| Address in a review area | Be sure to ask for the current planning status before investing. |
Note: The Climate Speed Bonus of the heating funding (BEG) has been reduced to 16% since July 21, 2026 and will continue to fall every six months from February 2027. If you are installing a heat pump now, you should check the current funding rates with KfW (Heating funding 458). (BEG = Federal Funding for Efficient Buildings; KfW = German state development bank)
Technically reviewed by Alexander Klein, dena energy efficiency expert (as of: October 2026). (dena = German Energy Agency)