Kommunale Wärmeplanung in Bayern: Fristen, Wärmeplan finden und was das für Ihren Heizungstausch bedeutet
Die acht bayerischen Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern mussten ihren kommunalen Wärmeplan bis zum 30. Juni 2026 vorlegen – diese Frist ist abgelaufen. Alle übrigen bayerischen Gemeinden haben bis zum 30. Juni 2028 Zeit. Ob Fernwärme in Ihre Straße kommt, lässt sich heute schon über den Energie-Atlas Bayern sowie die veröffentlichten Wärmepläne der Kommunen prüfen – oder direkt mit unserem Fernwärme-Check.
Rechtliche Grundlage: WPG und bayerische Ausführungsverordnung
Das am 1. Januar 2024 in Kraft getretene Gesetz für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze (Wärmeplanungsgesetz, WPG) gilt bundesweit und verpflichtet die Länder, sicherzustellen, dass innerhalb bestimmter Fristen Wärmepläne erstellt werden. Der Freistaat Bayern hat die Aufgabe der Wärmeplanung auf die Städte und Gemeinden übertragen, die damit die planungsverantwortlichen Stellen sind.
Durch die Verordnung zur Ausführung energiewirtschaftlicher Vorschriften (AVEn), die am 2. Januar 2025 in Kraft getreten ist, hat der Freistaat Bayern die Kommunen als planungsverantwortliche Stellen benannt und gemäß § 8 Abs. 3 AVEn das Bayerische Landesamt für Maß und Gewicht (LMG) mit dem Vollzug des Wärmeplanungsgesetzes betraut.
Fristen im Überblick (Stand: Oktober 2026)
Die Pflicht gilt gestaffelt nach Einwohnerzahl:
- Großstädte (> 100.000 Einwohner): Die acht bayerischen Gemeindegebiete mit mehr als 100.000 Einwohnern waren verpflichtet, bis 30.06.2026 eine Wärmeplanung vorzulegen (§ 4 Abs. 2 WPG). Diese Frist ist abgelaufen; Wärmepläne der Großstädte sind inzwischen veröffentlicht.
- Alle anderen Kommunen (< 100.000 Einwohner): Hier gilt die Pflicht bis zum 30.06.2028 (§ 4 Abs. 2 WPG).
- Kommunen mit 100.000 Einwohnern oder weniger, die eine Bundesförderung (sog. ZUG-Förderung) für die Erstellung des Wärmeplans erhalten haben, müssen den Wärmeplan bereits bis zum 31. Dezember 2026 erstellen (§ 5 WPG).
- Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern dürfen die Wärmeplanung im vereinfachten Verfahren durchführen.
Bereits existierende Wärmepläne haben Bestandsschutz, sofern die jeweilige Planung mit den Anforderungen des Gesetzes vergleichbar ist. Bei der Fortschreibung bestehender Wärmepläne müssen jedoch die Vorgaben des neuen Gesetzes berücksichtigt werden (§ 5 WPG).
Wie Sie Ihren Wärmeplan finden: Energie-Atlas Bayern
Den schnellsten Überblick bietet der Energie-Atlas Bayern unter energieatlas.bayern.de:
- Die interaktive Karte zeigt für jede Kommune den Bearbeitungsstand der Wärmeplanung sowie weiterführende Informationen, wie zum Beispiel eine Verlinkung zum jeweiligen Wärmeplan oder ob Fördergelder nach NKI in Anspruch genommen wurden.
- Seit dem 20.05.2026 sind zudem kleinräumige Daten auf Baublockebene im Energie-Atlas Bayern einsehbar. Die Karten zeigen für die am häufigsten genutzten Brennstoffe – Heizöl, Gas und feste Biomasse – das Medianalter und die summierte Nennwärmeleistung des jeweiligen Baublocks.
- Auf der Wärmenetzkarte sehen Sie Wärmenetze in Kommunen, die bereits erfasst sind. Bei manchen Wärmenetzen liegen noch keine Detailinformationen vor.
Sind die Großstadt-Wärmepläne bereits beschlossen, sind sie zusätzlich direkt auf den Websites der jeweiligen Städte abrufbar. So hat etwa Nürnberg seinen Wärmeplan im Mai 2025 veröffentlicht; Ziel ist es, frühzeitig über zukunftsfähige und nachhaltige Wärmeversorgungslösungen zu informieren. Als erste Kommune in Bayern hat die Landeshauptstadt München entsprechend dem Wärmeplanungsgesetz eine Wärmeplanung erarbeitet. Den Stand für weitere bayerische Städte finden Sie auf unseren Seiten zu Augsburg, Regensburg, Ingolstadt und Würzburg.
Praktische Schritte für Eigentümer:
- Energie-Atlas Bayern aufrufen → Menüpunkt „Wärme" → Karte „Kommunale Wärmeplanung"
- Eigene Gemeinde aufsuchen und Bearbeitungsstand prüfen
- Verlinkung zum veröffentlichten Wärmeplan der Gemeinde öffnen (sofern bereits vorhanden)
- Wärmenetzkarte zusätzlich prüfen: Liegt die eigene Straße in einem bereits geplanten oder bestehenden Wärmenetzgebiet?
Was der Wärmeplan für Ihren Heizungstausch bedeutet
Der kommunale Wärmeplan ist ein strategisches Planungsinstrument – er hat zunächst keine unmittelbaren Konsequenzen für Ihre bestehende Heizung:
Ein Wärmeplan hat keine Konsequenzen für eine bestehende Heizung. Die Heizung kann ungeachtet eines Wärmeplans weiterbetrieben werden.
Relevant wird er jedoch, wenn Sie eine neue Heizung einbauen möchten:
Ein wichtiger Bestandteil der Wärmeplanung ist die Einteilung des beplanten Gebiets in voraussichtliche Wärmeversorgungsgebiete. Darin sind sogenannte „Eignungsgebiete für Wärme- oder Wasserstoffnetze" aufgeführt. Erst wenn die Gemeinde eine kommunale Satzung erlässt, in der sie Gebiete für einen zukünftigen Aus- oder Neubau von Wärmenetzen ausweist, kann bezogen auf das jeweilige Grundstück ermittelt werden, ob das Gebäude zukünftig an ein Wärmenetz angeschlossen werden kann.
Seit dem 29.07.2026 gilt statt des Gebäudeenergiegesetzes das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG): Die 65-Prozent-Regel ist entfallen, Sie wählen Ihre Heizung frei. Wer nach diesem Datum eine Gas- oder Ölheizung einbaut, muss ab 2029 schrittweise klimaneutrale Brennstoffe einsetzen (Bio-Treppe). Gerade deshalb lohnt der Blick in den Wärmeplan: Kommt in absehbarer Zeit ein Wärmenetz, kann der Anschluss die günstigere Lösung sein.
Liegt das Gebäude außerhalb eines Eignungsgebiets für Wärmenetze (dezentrale Beheizung), wird dort auch zukünftig kein Wärmenetz vorgesehen sein. In diesen Gebieten bleibt die individuelle Gebäudeheizung weiterhin die einzige Option. In diesem Fall ist eine Wärmepumpe oder eine andere erneuerbare Heizlösung meist die wirtschaftlichste Wahl. Welche Technik zu Ihrem Haus passt, zeigt der Heizungsfinder.
Die Entscheidung zur Ausweisung eines Neu- oder Ausbaugebietes von Wärme- oder Wasserstoffnetzen erfolgt gesondert von der Erstellung eines kommunalen Wärmeplans und liegt in der freien Entscheidung der Gemeinde. Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung.
Vollzug und Finanzierung in Bayern
Das Landesamt für Maß und Gewicht (LMG) ist die für den Vollzug des Wärmeplanungsgesetzes zuständige Behörde. Es ist zum einen zur Auszahlung der Konnexitätsmittel an die bayerischen Kommunen zuständig als auch zur Beratung der Kommunen hinsichtlich rechtlicher Fragen in Bezug auf die Umsetzung des Wärmeplanungsgesetzes.
Der Wärmeplan ist gemäß § 13 Abs. 5 bzw. § 23 Abs. 3 WPG zu beschließen und zu veröffentlichen. Er ist dem LMG innerhalb von drei Monaten nach Beschlussfassung über den Online-Antragsmanager anzuzeigen.
Im Ergebnis wird der Freistaat den Gemeinden rund 79 Mio. Euro bis 2028 für die Erstellung der kommunalen Wärmepläne erstatten. Seit dem 1. September 2026 steht zudem das neue „Bayern Wärme Portal" des LMG als zentrale Online-Plattform bereit, über die betroffene Wärmenetzbetreiber die nach Teil 3 des WPG erforderlichen Unterlagen und Informationen digital an das LMG übermitteln können.
Fazit: Jetzt informieren, dann entscheiden
Prüfen Sie im ersten Schritt den Energie-Atlas Bayern, um zu sehen, ob Ihre Gemeinde einen Wärmeplan bereits veröffentlicht hat und ob Ihre Straße in einem geplanten Fernwärmegebiet liegt. Liegt kein Wärmenetzgebiet vor oder ist Ihre Gemeinde noch in der Planung, lohnt sich die Vorbereitung auf eine gebäudeindividuelle erneuerbare Lösung – etwa eine Wärmepumpe. Eine unabhängige Energieberatung hilft dabei, die richtige Entscheidung für Ihr Haus zu treffen.
Municipal Heat Planning in Bavaria: Deadlines, Finding Your Heat Plan, and What It Means for Your Heating System Replacement
The eight large Bavarian cities with more than 100,000 inhabitants were required to submit their municipal heat plan by June 30, 2026 – that deadline has now passed. All other Bavarian municipalities have until June 30, 2028. Whether district heating is coming to your street can already be checked today via the Energie-Atlas Bayern and the published heat plans of the municipalities – or directly with our District Heating Check.
Legal Basis: WPG and Bavarian Implementing Regulation
The Wärmeplanungsgesetz (WPG – Heat Planning and Decarbonisation of Heating Networks Act), which entered into force on January 1, 2024, applies nationwide and obliges the federal states to ensure that heat plans are drawn up within specified deadlines. The Free State of Bavaria has delegated the task of heat planning to cities and municipalities, which are therefore the bodies responsible for planning.
Through the Verordnung zur Ausführung energiewirtschaftlicher Vorschriften (AVEn – Regulation on the Implementation of Energy Industry Provisions), which entered into force on January 2, 2025, the Free State of Bavaria designated the municipalities as the bodies responsible for planning and, pursuant to § 8 para. 3 AVEn, entrusted the Bayerisches Landesamt für Maß und Gewicht (LMG – Bavarian State Office of Weights and Measures) with the enforcement of the Heat Planning Act.
Deadlines at a Glance (As of: October 2026)
The obligation is staggered according to population size:
- Large cities (> 100,000 inhabitants): The eight Bavarian municipal areas with more than 100,000 inhabitants were required to submit a heat plan by 30.06.2026 (§ 4 para. 2 WPG). This deadline has passed; heat plans for large cities have since been published.
- All other municipalities (< 100,000 inhabitants): The obligation applies here until 30.06.2028 (§ 4 para. 2 WPG).
- Municipalities with 100,000 inhabitants or fewer that have received federal funding (known as ZUG funding) for the preparation of their heat plan must complete the heat plan by December 31, 2026 (§ 5 WPG).
- Municipalities with fewer than 10,000 inhabitants may carry out heat planning using a simplified procedure.
Already existing heat plans enjoy grandfather rights, provided the respective planning is comparable to the requirements of the Act. When updating existing heat plans, however, the requirements of the new Act must be taken into account (§ 5 WPG).
How to Find Your Heat Plan: Energie-Atlas Bayern
The quickest overview is provided by the Energie-Atlas Bayern at energieatlas.bayern.de:
- The interactive map shows the processing status of heat planning for each municipality, along with further information, such as a link to the respective heat plan or whether NKI funding has been claimed.
- Since May 20, 2026, small-scale data at building block level has also been available in the Energie-Atlas Bayern. The maps show, for the most commonly used fuels – heating oil, gas, and solid biomass – the median age and the total rated heat output of the respective building block.
- The heating network map shows heating networks in municipalities that have already been recorded. For some heating networks, detailed information is not yet available.
Once the large-city heat plans have been formally adopted, they are also available directly on the websites of the respective cities. For example, Nuremberg published its heat plan in May 2025; the aim is to provide early information about future-proof and sustainable heat supply solutions. The state capital Munich was the first municipality in Bavaria to develop a heat plan in accordance with the Heat Planning Act. The status for further Bavarian cities can be found on our pages for Augsburg, Regensburg, Ingolstadt, and Würzburg.
Practical steps for property owners:
- Open the Energie-Atlas Bayern → menu item "Wärme" → map "Kommunale Wärmeplanung"
- Search for your own municipality and check the processing status
- Open the link to the municipality's published heat plan (if already available)
- Additionally check the heating network map: Is your street located in an already planned or existing heating network area?
What the Heat Plan Means for Your Heating System Replacement
The municipal heat plan is a strategic planning instrument – it initially has no direct consequences for your existing heating system:
A heat plan has no consequences for an existing heating system. The heating system can continue to be operated regardless of a heat plan.
However, it becomes relevant if you wish to install a new heating system:
An important component of heat planning is the division of the planned area into anticipated heat supply zones. These include what are known as "designated areas for heating or hydrogen networks." Only when the municipality issues a local by-law designating areas for the future expansion or new construction of heating networks can it be determined, in relation to the respective property, whether the building may be connected to a heating network in the future.
Since July 29, 2026, the Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG – Building Modernisation Act) has replaced the former GEG (Buildings Energy Act): the 65-percent rule has been abolished, and you may choose your heating system freely. Anyone who installs a gas or oil heating system after this date must gradually use climate-neutral fuels from 2029 onwards (the "Bio-Treppe" / biofuel step-up rule). This is precisely why it is worth consulting the heat plan: if a heating network is coming in the foreseeable future, connecting to it may be the more cost-effective solution.
If the building is located outside a designated heating network area (decentralised heating), no heating network will be planned there in the future either. In these areas, individual building heating remains the only option. In this case, a heat pump or another renewable heating solution is usually the most economical choice. The Heizungsfinder shows which technology is right for your home.
The decision to designate a new or expanded area for heating or hydrogen networks is made separately from the preparation of a municipal heat plan and rests entirely with the municipality's own discretion. There is no statutory obligation.
Enforcement and Financing in Bavaria
The LMG is the competent authority for enforcing the Heat Planning Act. It is responsible both for disbursing the equalisation funds (Konnexitätsmittel) to Bavarian municipalities and for advising municipalities on legal questions relating to the implementation of the Heat Planning Act.
The heat plan must be adopted and published in accordance with § 13 para. 5 and § 23 para. 3 WPG respectively. It must be reported to the LMG within three months of the resolution being passed, via the online application manager.
Overall, the Free State will reimburse municipalities approximately €79 million up to 2028 for the preparation of municipal heat plans. Since September 1, 2026, the LMG's new "Bayern Wärme Portal" has also been available as a central online platform through which affected heating network operators can submit the documents and information required under Part 3 of the WPG to the LMG digitally.
Conclusion: Get Informed Now, Then Decide
As a first step, check the Energie-Atlas Bayern to see whether your municipality has already published a heat plan and whether your street is located in a planned district heating area. If no heating network area is designated or your municipality is still in the planning phase, it is worth preparing for an individual, building-specific renewable solution – such as a heat pump. Independent energy consulting helps you make the right decision for your home.